Workshop Plastische Lehmböden

15. – 17. September 2022

Praxis Workshop Massivlehmboden

 

Kursort:
Stadel bei Winterthur

Kursleitung:
Ralph Künzler, Baubiologie Lehmbau
Doris Müller, lehmbaubüro gmbh

Thema:

Im industrialisierten Massiv-Lehmbau, sowie auch für den optimierten Selbstbau, birgt der Einsatz von Lehm-Beton, Faserlehm und „Giess-Lehm“ ein grosses Anwendungspotential.

Plastische Lehm-Mischungen sind effektiver in Herstellung, Verarbeitung und der Anwendungspalette als der traditionelle erdfeucht eingebrachte Stampflehm.

Unsere IG-Lehm Kurse 1-2022 und 2-2022 loten Möglichkeiten und Grenzen von plastischen Lehmbaustoffen im Bodenbereich aus. Horizontal eingebaute Lehmmassen kommen ohne Plastifizierungs-/ Verfestigungs-Zusätze aus.

1:1 werden auf einer realen Baustelle verschiedene Lehm-Betone und Faserlehme aus Aushublehm, Sand, Kies und Faserstoffe gemischt und eingebaut.

 

Einladung Praxis Workshop Plastische Lehmböden

 

Kursziele:

  • Lehmböden plastisch verarbeiten statt stampfen
    plastifizierende, verfestigende (hydraulische) Zuschlagsstoffe kennen
  • den Begriff Giesslehm einordnen
  • Wie unterscheiden sich die Zusammensetzungen von plastischen Lehmmassen und gestampften Bauteilen?
  • Anwendungsbereiche von plastischen, gegossenen Massen im Bodenbereich kennenlernen
  • Aushublehm analysieren und die nötigen Zuschlagstoffe für eine optimale Lehmbeton-Mischung bestimmen
  • Was sind die Siebkurve, Kiesfraktionen, Faserstoffe?
  • Wie mischt man eine plastische Masse?
  • Wie wird sie eingebracht?

Bericht zum Workshop

Die Besichtigung des Umbauprojektes in Gisenhard, organisiert durch die BaubioSwiss, diente schon am Donnerstag Abend für einen Teil der Kursanwärter als Auftakt und Inspiration zum Praxis-Workshop „Plastische Lehmböden“. Zur geselligen Runde luden die Kursleiter Doris Müller (lehmbaubüro gmbh) und Ralph Künzler (Künzler Baubiologie Lehmbau) im Anschluss nach Ossingen ein, um sich beim gemeinsamen Abendessen in das bevorstehende Kursthema einzustimmen und Möglichkeiten für einen gegossenen Lehmboden zu diskutieren.

Für den Praxis-Workshop stellte uns Doris Müller ihr Schmuckstück in Stadel als Schau- und Werkplatz zur Verfügung: Ein überschaubares, aber themenreiches und wundervolles Umbauprojekt im kleinen Weiler ausserhalb von Winterthur, wo wir während zwei Kurstagen in drei Räumen mit Lehmböden experimentieren konnten. Ziel des Workshops war es, das optimale Lehmgemisch für einen idealerweise massentauglichen giessbaren Lehmboden zu erproben.

Wir versammelten uns im Gartenzelt, sozusagen unser gemütlicherer Baucontainer, und starteten bei Kaffee und Gipfeli mit einem interessanten Austausch und Brainstorming in Gruppenarbeit. Grundlage dafür boten der vorgängige Input von Ralph, die Muster zum Vergleich, welche Doris in Vorarbeit zum Workshop hergestellt hatte, Bilder und Erfahrungen von einem ersten realen Giesslehm-Boden-Versuch und die vorhandenen Bestandteile. Diese waren: zweierlei Aushublehm vom Grundstück vor Ort, verschiedene Kiesmischungen von Betonkies bis Grobsteine, rund oder gebrochen, Wasser und verschiedenste Fasern.

Zur Arbeitsvorbereitung machte sich die eine Hälfte der Kursteilnehmer an Misch-Proben und die andere fleissig ans Einlegen der Bodenheizung. Die Trennfolie über dem isolierenden Schaumglas-Schotter war Unterlage für die Heizleitungen, welche pragmatisch gut auf Haselästen aus dem nahe gelegenen Wald, statt an Armierungseisen, festgebunden wurden.

Als nach dem köstlichen Mittagessen auf dem Schloss Mörsburg oberhalb Stadel dann Jonathan Ensslin von Oxara AG für einen Input die Workshop-Baustelle besuchte und uns Ihr Produkt Oxacrete© vorstellte, erweiterte sich unser Giesslehm-Horizont.

Die Firma Oxara AG ist ein SpinOff-Unternehmen der ETH Zürich, welches sich mit der Forschung an nachhaltigen Baustoffen befasst. Sie entwickelten ein mineralisches Additiv, das den Lehm im Gemisch mit Wasser und Co. flüssiger und somit einfacher zu verarbeiten macht, doch zeitverzögert dann den Trocknungsprozess beschleunigt. So kann Lehm, analog zu Beton, in Schalungen gegossen und nach wenigen Tagen sauber ausgeschalt werden kann.

Obwohl das scheinbare Wundermittel viel versprach und einen vermeintlichen Lösungsansatz für unseren ‚Giesslehm‘ hätte sein können, spornte es uns umso mehr an, weiter an einer möglichen Zusammensetzung von Kiesgemisch, Lehm und Wasser, ohne das Beifügen von Zusatzstoffen, ausgenommen den wohl diskutierten Fasern, zu tüfteln.

Der zweite Kurstag galt der Umsetzung. Fleissig wie die Bienen wurden die am Vortag analysierten Mischungen produziert, eingebracht, abgezogen - mit Herz und Seele manuell am Spachtel oder im grossen Masse mit Taloschiermaschine. Die Resultate liessen sich ansehen. Auch die eine Bodenfläche im Experiment mit zweischichtigem Grundaufbau zur Verminderung der Rissbildung durch stufenweise Austrocknung lässt uns gespannt sein, wie die Rückmeldung nach dem Trocknen ausfällt?

Herzliches Dankeschön an dieser Stelle den Workshop-Organisatoren, den motivierten Kursteilnehmer, den Besuchern und Doris für das Zur-Verfügung-Stellen der Lern-Baustelle und eine unvergessliche, bereichernde Zeit zusammen.

 

Nadine Janesch, 05.12.2022

Veranstalter

IG Lehm Fachverband Schweiz

Ort

Stadel ZH