Workshop Lehmbauplatten

28. – 29. August 2020

Lehmplatten herstellen und verarbeiten

Praxis-Workshop 2020-1 im Ziegelei-Museum Cham

Der Einsatz von Lehmplatten nimmt seit Jahren zu. Mittlerweile machen sie den Hauptteil des Umsatzes unserer Lehmbaustoff-Lieferanten aus. Die Vorteile sind überzeugend: Beplankungen mit Lehmplatten ersetzen den vor Ort aufgebrachten Grundputz. Dadurch werden Trocknungszeiten vermieden und die Bauzeit verkürzt. Sie ermöglichen eine effiziente Beplankung im Holz-Leichtbau. Auch im Brand- und Schallschutz haben sie grosses Potential. Wir möchten durch diesen Workshop euer Knowhow aktualisieren und gleichzeitig eure Fachkompetenz erhöhen.

Lehmplatten selber herstellen

  • Welche Anforderungen müssen Lehmplatten    erfüllen? DIN Norm 18948
  • Inhaltsstoffe kennenlernen, Lehmmischung aufbereiten
  • Herstellungsprozess kennenlernen
  • Netz: worauf achten wir?, Material-Palette kennenlernen
  • Trocknung, Lagerung, Transport, Befestigungen
  • Montage-Grundlagen (Vorbereitung für Samstag)
    Wir entwickeln ‘die perfekte Lehmplatte’ und lernen dabei, offensichtliche, aber auch innovative Kompo-nenten kennen. Jede(r) TeilnehmerIn stellt ihre/sei-ne eigene Lehmplatte her. Am Samstag präsentieren wir unsere Ergebnisse den zahlreichen Besuchern und unseren Lehmbaustoff-Händlern. Die nötige Infrastruktur und das Material wird vor Ort bereitge-stellt. Marc Hübner, Lehmplattenhersteller von der Firma Lehmwerk, führt uns in die Herstellungstechnik ein.

Präsentationen & Open-Day

  • Unsere 5 Anbieter von Lehmplatten stellen ihre Produkte in der Praxis vor. Auf unsere vorbe-reiteten Roste montieren wir zusammen mit den Spezialisten die verschiedenen Platten. Befesti-gungsmittel (Schrauben und Breitrückenklammern), Zuschnitt, Beschichtung und Netzeinbettung bilden den Fokus des Samstag Morgens.
     

Einladung Workshop Lehmplatten

Bericht zum Workshop

 

Lehmbauplatten sind der Klassiker im Lehm-Trockenbau und avancierten in den letzten Jahren allgemein zum Verkaufsschlager bei den Lehmbaustoffen.

Für den Samstag war ein Open Day mit den führenden Ökobaustoff-Anbietern der Schweiz organisiert. Bevor sie ihre Lehmplatten präsentieren und montieren durften, trafen sich die Workshop-Teilnehmer*innen bereits am Freitagmorgen bei der alten Ziegelei beim Ziegeleimuseum in Hagendorn. Etliche waren direkt vom Tag der offenen Tür bei der Lehmag AG in Brunnen SZ angereist, wo die letzten Stampflehmelemente für den neuen Ziegeleiturm beim Museum gestampft wurden und die Firma Boltshauser Architekten nebst Speis und Trank auch noch Musik bis in den Abend hinein organisiert hatte.

Die Kursleitung bestand im Dreierteam Marc Hübner (Lehmwerk.ch), Ralph Künzler (Künzler Baubiologie Lehmbau) und Doris Müller (Lehmbaubüro GmbH). Doris hatte im Vorfeld vor allem Organisatorisches erledigt, unter anderem den schönen Flyer für den Open Day gestaltet und den kühlen Morgen mit Kaffee und Gipfeli bereichert. Ralph Künzler startete mit einer Vorstellungsrunde in den Workshop, wodurch bereits ein Gruppengefühl entstand. Weiter setzte er die Latte für Lehmplattenhersteller Marc Hübner vom Lehmwerk hoch, mit dem Anspruch die perfekte Lehmplatte zu entwickeln. Marc liess zunächst die Teilnehmer seine Normplatte nachbauen: Dabei handelte es sich um einen beidseitig mit Glasfasergewebe armierten Grundputz mit Häckselstroh und etwas Stärke. Eine grosse Auswahl an Zuschlagmaterialien stand auf einem grossen Tisch zur Auswahl für spätere Experimente.

Weiter erzählte Marc von der stetigen Weiterentwicklung der Automatisation seiner Lehmplattenproduktion und Ralph gab einen Überblick über die Geschichte der Lehmbauplatten, wobei er jene von Claytec (D) als die «Bewährte» von den «Alten» herausstrich. Als Spezialproduktion (im Auftrag) zeigte Marc eine schwarze Platte, welche aus Pflanzenkohle und Lehm gefertigt wurde. Von der «perfekten» Platte erwartete Ralph, dass sie leichter (hoher Faseranteil), kleiner (62.5 cm x 62.5 cm) ökologischer (kein Glasfasernetz) und günstiger (einfacher zu produzieren, keine Kosten für Netz) sein soll.
Die Versuche daran hielten sich jedoch in Grenzen, die Praxis der Plattenmontage wurde von den meisten Teilnehmern bevorzugt. Dabei hatte Ralph auch noch wertvolle Tipps zur Verbesserung preisgegeben. Wie bei der Siebkurve für den Sand gibt es auch für die Faserarmierungszuschläge eine Kurve von dem groben Stroh bis feinsten Rohrkolbenfasern.

Der Open Day am Samstag war etwas regnerischer. Bei kühlen Temperaturen installierten Christian Büchel von Lanatherm, Dieter Baltensberger mit Gabriel Graf von Stroba Naturbaustoffe sowie Armin Martinelli mit Team von der HAGA AG ihre Stände mit den Lehmbauplatten. Kaffee und Gipfeli waren wiederum die perfekten Begleiter für den Start in den Tag. Nach der Präsentation einiger Produkte wurden die verschiedenen Lehmplatten in Gruppen auf Roste montiert. Für die Grossen Platten bei Stroba stand eine Hebehilfe zur Verfügung. Bei der HAGA AG wurden jene mit Aussparungen für Wandheizungselemente verbaut. Die «bewährte» von Claytec konnte bei Lanatherm praxisnah erprobt werden.

Der Zuschnitt der verschiedenen Lehmbauplatten verlangte den Teilnehmern einiges an Einfühlungsvermögen ab. Welches Werkzeug macht mit wie viel Druck den perfekten Schnitt? Eine weitere kontrovers diskutierte Frage war jene der Befestigungstechnik. Auf der einen Seite das «gemütliche» Anschrauben mit dem Akkuschrauber und auf der anderen das Schiessen von Klammern mit Luftdruck. Bei der Demontage blieben die geschraubten Platten ganz, sofern die Schrauben gefunden wurden. Bei den angeschossenen Platten blieb nur das Herunterreissen, wobei der Lehm als Grundputz auch wiederverwendet werden kann oder neue Lehmplatten damit hergestellt werden können.

Nach einem Kurzvortrag über den Neubau des Ziegeleiturmes von Felix Hilgert (Projektleiter bei Boltshauser Architekten und auch Vertreter des Stamplehmelementebauers Lehmag AG), verabschiedeten sich die Open Day Besucher.

Bei der abschliessenden Feedbackrunde der Workshop-Teilnehmer wurde deutlich, wie vielschichtig der Lehmbau und die Interessen dazu sind. Eine grundsätzliche Zufriedenheit wurde individuell auch von Durst nach mehr begleitet. Zum Beispiel mehr experimentieren mit Eigenmischungen.

Allen beteiligten Firmen, der organisierenden Workshopleitung und last but not least den Teilnehmern und Besuchern sowie dem Team vom Ziegeleimuseum herzlichen Dank für den tollen Anlass mit Fokus auf den Lehm-Trockenbau!

Hansjakob Eggenberger/18.10.2020

Veranstalter

IG Lehm Fachverband Schweiz
&
Ralph Künzler, Künzler Baubiologie Lehmbau
&
Marc Hübner, lehmwerk ch
&
Doris Müller, Lehmbaubüro
 

Ort

Hagendorn/ Cham ZG