Besichtigung Siedlung Burkwil
18. April 2026

Besichtigung Siedlung mit Pavillon
Vom Stampflehm zur Lehmplatte
Datum: Samstag, 18. April 2026
Zeit: 14:00 - 16:00 Uhr
Ort: Siedlung Burkwil, Weidächerstrasse/Lütisämetstrasse, Meilen ZH
Einladung Besichtigung Siedlung Burkwil
Aus der Ambition mit viel Lehm einen nachhaltigen Bau zu verwirklichen, entstanden Wohngebäude als Holzbauten, in denen Lehmplatten und Lehmputz für ein gesundes Raumklima sorgen. Als massiver Baustoff kam Lehm dann im Gemeinschaftsraum als Stampflehm-Pavillon zum Einsatz. Im Projekt der Stiftung Burkwil wird spürbar, wie Ausmasse des Lehmbaus wachsen und skaliert werden, womit sich zugleich auch Fragen zu Qualität und Quantität auftun.
Programm
- 14:00 Uhr Begrüßung, Einführung und Inputs
Beteiligte der IG Lehm und Ausführende berichten aus dem Prozess und über ihre Erfahrungen - 15:00 Uhr Rundgang durch die Siedlung
Einblicke in die Ausmasse der Wohnüberbauung und Verwendung von Lehmmaterial, Besichtigung von gemeinschaftlichen Innenräumen und einer Wohnung - anschliessende Fragerunde und offene Diskussion bei Apéro
im Gemeinschaftspavillon der Siedlung Burkwil - Ende ca. 16.30 Uhr
Referenten
- Beat Fellmann, Geschäftsführer Stiftung Burkwil
- Clemens Koller, Nägeli Holzbau
- Dieter Baltensperger, Stroba Naturbaustoffe
- Jomo Zeil, Lehm Ton Erde Baukunst
Bericht
Leuchtturmprojekte brauchen Menschen mit Visionen, vor allem wenn man neben derzeit weniger Gebräuchliches in einer umfassenden Dimensionierung bringen will – und das auf verschiedenen Ebenen. So waren es in Meilen neben der Bestellerin, die die Siedlung Burkwil initiierte und massgeblich mitbestimmte auch die Ausführenden und ihre Haltungen zu Materialität.
Bei der IG Lehm-Besichtigung zeigten und erzählten die verschiedenen am Bau Beteiligten wie Nutzende, Händler und Ausführende der verschiedenen Gewerke, was ihnen wichtig war oder ist. Die rund 40 Gäste an diesem Samstag Nachmittag waren nicht nur von dem strahlend blauen Himmel und der Aussicht angetan.
Beat Fellmann, Geschäftsführer der Stiftung Burkwil verwies auf den Prozess und die Suche nach stimmigen Lösungen, die den gesteckten, erhöhten Anforderungen der Nachhaltigkeit (inkl. CO2-Absenkpfad, SNBS Gold), etwa der Kreislauffähigkeit, Wiederverwendung oder auch baubiologischen Materialien entsprechen.
Dazu braucht es immer noch den Mut, sich auch auf kleinere und grössere Experimente einzulassen, wie etwa die Klinker als Platzbelag oder beim Mock-up später zu sehen, die Verwendung von Lehm in gegossener Form analog zu Zementbeton-Techniken. Nicht alles erwies sich im Rahmen des Projekts als Ziel führend, brachte aber für alle weitere Erkenntnisse und kommt vielleicht in einer nächsten Runde zum Zuge. Die Gusslehmwände von Marti mit Oxara-Zusätzen stehen nach deren Ablehnung (wohl aus ästhetischen Gründen) demnach weiter als Zeuge der ersten Experimente dieser Technik und als witterungsausgesetzter Langzeit-Test in der Siedlung.
Neben dem anschliessend noch erläuterten Baumaterialien beherbergt die Siedlung beispielsweise ein innovatives Abwassermanagement, Erdsonden und PV-Anlage.
Ausgehend von dem Wettbewerb, der umfangreiche Bauteile in Stampflehm vorsah, entwickelte sich ein Bauprojekt, in welchem letztlich in diesem Umfang derzeit leistbare und schon mehrfach bewährte Bautechnik zum Einsatz kam. In diesem Zusammenhang kam Dieter Baltensperger von Stroba Naturbaustoffe ins Spiel und stellte 5'000m2 (72t) Lehmplatten und 50t Lehmgrundputz, sowie Lehmklebe- und Armierungsmörtel und Deckputzen bereit, insgesamt wurden 170t Lehm in den Wohnbauten verbaut.
Er hob die gelungene Zusammenarbeit und die konstruktiven Prozesse auch bei Herausforderungen, die vom Feuchteintrag des Anhydrit-Unterlagbodens ausgingen, hervor. Er war aber hinsichtlich einer weiteren Herzensangelegenheit, der Wahl des Dämmmaterials recht unzufrieden, da der Entscheid auf Mineralwolle statt nachwachsende Hanf- und Jute-Dämmung fiel.
Die Handhabung der mittelschweren, gepressten Lehmplatten sollte hier effizient von Statten gehen und so wurden im Rahmen dieser bautypischen Anforderungen die Materialgrenzen zuerst überschritten. Im weiteren Prozess konnten diese aber mit allen Beteiligten einschliesslich verantwortlichem Holzbauer und konventionellem Gipserbetrieb wieder eingefangen werden. Das führte zu einem überzeugenden Ergebnis in den Wohnungen, die im RAL 9010 des deckputzes lichtweiss erstrahlten (muss es immer weiss sein?).
Von ganz anderen ineinandergreifenden Prozessen erzählt Jomo Zeil, der für Lehm Ton Erde Baukunst relativ spät für die Errichtung des Pavillons einbezogen wurde. Die Stampflehmmauer des Pavillons aus Schlinser Pechschotter enthält nämlich auch einen Ofen. Dieses Stampflehmelement wurde beim Partner Ofenbau Jud in Herisau mit Ofenbauteilen bestückt. Auch dessen Unterkonstruktion ist hier geschickt kaschiert und gekonnt neben den weiteren neun vorfabrizierten 70cm dicken Stampflehm-Elementen platziert. Wie heute leider noch so oft wurden die Belange des Lehmbaus in Entwurf noch nicht berücksichtigte, weswegen so manche Übung zusätzlich einfliessen musste, weil die Lasten oder auch das Arrangement der Bauteile inklusive Ofen ohne Vorkenntnisse entworfen waren.
Einen tiefen Einblick in die Vorgänge des Holzbaus lieferte Clemens Koller von Nägeli Holzbau aus Gais, der den Einbau der Holzbauteile der 14'000m3 Rundholz mit mehreren Partnerfirmen zusammen stemmte, daraus eingeschworene gemischte Teams formte und sie auch für diese Grossbaustelle begeistern konnte. Das Projekt begann für ihn allerdings bereits 2020 als das Mondholz zuerst geringelt und dann gefällt wurde, lange vor der Aufrichte im Jahr 2024, als sich dann die 60 Transporter mit den Grossbauteilen von Appenzell aus auf den Weg machten.
Dort erwarteten sie zwei Montagekräne und ein strenges Sicherheitskonzept, was für die angereisten rund 40 guten Handwerker ein morgendliches Briefing und eine Animation für das gemeinsame Holzbauprojekt mit sich brachten. Für dieses Zusammenspiel wurde auch die Verpflegung kollektiv organisiert. Wie beim Holz so auch beim Lehm umso mehr bedarf es zudem eines Witterungskonzepts, d.h. die Holzbauteile wurden montiert, die Lehmbaustoffe parallel ins Gebäude gebracht und erst später vor Ort montiert.
Auch dazu gehörte dann aber erneut das intensive Kennenlernen des Baustoffs Lehm mit all seinen guten und ungewohnten Eigenschaften. Dies forderte insbesondere auch den Normenfokus des Planerteams heraus, denen Naturbaumaterialien immer noch eher fremd sind und wo ein neues materialgerechtes Verständnis für die Anforderungen und Abläufe erst noch entstehen muss.
Denn auch die verformungsfreie Aufnahme von Feuchtigkeit hat bei Lehmplatten eine Grenze, wenn dem Lehm hier die Feuchte aus der regnerischen Umgebung, aufsteigend aus dem Untergeschoss oder vom Einbringen des Unterlagsbodens trotz Trocknungsprotokoll, Lüftung und Entfeuchter zu viel wurde. Eine Anpassung der Montage der Platte von vertikal auf horizontal ist das eine, aber das ganze Bauteil ist herausgefordert. Dennoch ist die selbstregulierende Eindämmung, also eine vertretbare Luftfeuchte, dann auch dem Lehm zu verdanken. Auch ein Zusammenspiel, das geübt sein will und erst noch seine Karten im Verbund mit LowTech ohne Komfortlüftung ausspielen wird.
Vieles war noch auf den illustrativen Tafeln zur Holzbau-Montage aufgeführt und doch wollten die Neugierigen nach den umfassenden Vorträgen beim Rundgang die Siedlung mit gemeiner, versorgender Parterre-Nutzung selbst sehen. Eingeschlossen war dabei das Gussehm-Mock-up, welches als Veloraum weiter genutzt wird, sowie der Besichtigung einer Wohnung (eines älteren Lehmbaupioniers) mit viel Holz- und Lehmoberflächen.
Daneben fliesst ein Bach gemütlich durch die Bebauungen und die Linde neben dem Dorfbrunnen im Zentrum der Wohnbauten würden dem Impuls für sein Gedeihen und der Hinwendung zum Lehm sicherlich zustimmen: Mit Holz fängt's an!
Wir sind gespannt, wohin der Leuchtturm den Weg weist!
Christiane Löffler, 13. Juli 2026
Beteiligte Firmen
Veranstalter
IG Lehm Fachverband Schweiz
Ort
Meilen ZH