Praxis-Workshop Korklehmsteine

11. – 13. September 2026

Korklehmsteine vermauern

Einladung mit Details

Zeit: Freitag, 11. bis Sonntag, 13. September 2026

Ort: Schlössli Schüür, Kirchdorf


Wir sind vor Ort in der Schlössli Schüür in Kilchdorf BE. Die imposante denkmalgeschützte Scheune ist die Grösste im Kanton Bern und wird im Moment restauriert und zu einer interessanten, vielschichtigen Nutzung umgebaut.
Manuel Bühler (a Mano) ist für alles Mineralische bei diesem enormen Umbau zuständig und zeigt uns an den zwei Tagen drei wichtige Arbeitsabläufe in der Schlössli Schür:

  • bauseitige Herstellung von eigens für dieses Projekt entwickelten Korklehmsteinen
  • Vermauern der Korklehmsteine im Riegelbau der Scheune und das Hinterfüllen mit Korklehm
  • Verschiedene Lehmputzarbeiten mit Baustellenmischungen und deren Aufbereitung.

 

Bericht

Zu Gast bei Stalldrang
Gastgeber des IG Lehm-Praxis-Workshop zum Thema Kork-Lehmsteine war das Projekt Stalldrang rund um die historische Schlössli-Schüür. Im Mittelpunkt des Workshops standen die vor Ort entwickelten Kork-Lehmsteine: von der Aufbereitung der Rohstoffe über die Herstellung und Trocknung bis hin zum Vermauern im Fachwerk und der Hinterfüllung mit Korkschrot.

Doch nicht nur der Baustoff selbst machte den Workshop besonders. Wir durften während drei Tagen in ein aussergewöhnliches Projekt eintauchen, bei dem gemeinschaftliches Arbeiten, Wiederverwendung von Materialien, ökologisches Bauen und neue Formen des Zusammenlebens zusammenkommen.

Freitag – Ankommen und Eintauchen
Bei strahlendem Sonnenschein trafen wir am Freitagmorgen um 9 Uhr in Kirchdorf ein. Zum Auftakt gab es ein gemeinsames Znüni mit den bereits arbeitenden Handwerkern. Anschliessend wurden wir von Manuel Bühler, Bau- und Kursleiter, sowie von Roman Droux, dem Bauherrn und der guten Seele des Hauses, begrüsst.

Roman und Mäne gaben uns einen ersten Überblick über die Gebäude, den aktuellen Arbeitsstand und die Geschichte des Projekts. Während die reguläre Baustelle bereits in vollem Gang war und die Zimmerleute eifrig an der nächsten Wohneinheit arbeiteten, teilten wir uns in zwei Gruppen auf:
    • Gruppe 1: Kork-Lehmsteine produzieren
    • Gruppe 2: Kork-Lehmsteine vermauern und Mörtel mischen
So konnten wir Schritt für Schritt in die verschiedenen Bereiche des Herstellungs- und Bauprozesses eintauchen.

Vom Korkzapfen zum Kork-Lehmstein
Ein erster Zwischenstopp führte uns zur Korkschroterei. Roman erklärte uns, wie die Korkzapfen an verschiedenen Standorten in und um Bern gesammelt und zur Schlössli-Schüür gebracht werden. Dort werden sie sortiert, geschrotet und anschliessend entweder zu Kork-Lehmsteinen verarbeitet oder als Schüttung verwendet.

Für das Projekt werden grosse Mengen Kork benötigt. Aus einem scheinbar wertlosen Abfallprodukt entsteht so ein wertvoller Baustoff, der direkt vor Ort weiterverarbeitet und wieder in den Baukreislauf zurückgeführt wird.
Mehr über das spannende Projekt gibt es unter stalldrang-kirchdorf.ch.

Gruppe 1 – KorkLehmsteine produzieren
Die Kork-Lehmsteine werden bereits seit mehreren Jahren in einem umfunktionierten Hühnerstall produziert. Gleich daneben steht ein klassischer Gartentunnel, der zur Trocknung der Steine dient.
Der verwendete Lehm stammt aus einer Baugrube im Nachbardorf und wird bei einem Kieswerk zwischengelagert. Er ist sehr homogen, fett und frei von grösseren Steinen. Im Trockenverfahren wird er zunächst geschreddert und gesiebt und anschliessend in Palettenrahmen gelagert.

Für die Herstellung werden Lehm und Korkschrot im Zwangsmischer mit Wasser rund 20 Minuten vermischt. Danach wird die Mischung in die eigens entwickelten Handformen mit Nut und Kamm gefüllt, von Hand vorverdichtet und anschliessend mit einem Handhebel gepresst.
Nun beginnt die eigentliche Feinarbeit: Die frisch gepressten Steine müssen mit einer ausgeklügelten Technik aus der Form gelöst werden, ohne dabei ihre Form zu verlieren. Anschliessend werden sie vorsichtig ins Regal gebracht, wo sie während ein bis zwei Tagen vortrocknen.
Danach werden die Steine lose auf Paletten gestapelt und möglichst an der Sonne weitergetrocknet. Schliesslich werden sie dicht gestapelt. Fünf Lagen ergeben jeweils eine Palette mit rund 5m² Kork-Lehmsteinen.
Das Herstellungsverfahren wurde von den verschiedenen Personen, die über die Jahre an der Produktion beteiligt waren, laufend weiterentwickelt und optimiert. Das Ausgangsmaterial ist grundsätzlich kostenlos, wird durch die aufwendige Verarbeitung jedoch deutlich veredelt.

Auch die Formen und Formate haben sich mit der Zeit entwickelt. Heute werden zwei Formate produziert: ein ganzer Stein mit 17,5 × 27 × 56 cm sowie ein halber Stein. Die Abmessungen sind unter anderem auf eine möglichst effiziente Palettierung abgestimmt.

Gruppe 2 – KorkLehmsteine vermauern
Die zweite Gruppe beschäftigte sich derweil mit dem Vermauern der KorkLehmsteine. Sie können in die bereits vorbereiteten Fachwerke als Vormauerung aufgemauert werden.

Auch der Mörtel wird möglichst materialhomogen hergestellt. Lehm, Sand und gesiebter Kork bilden die Grundlage. Anschliessend werden die Gefache mit Korkschrot hinterfüllt.
Beim praktischen Arbeiten erwiesen sich die Kork-Lehmsteine als angenehm, formstabil und gut zu vermauern. Das Prinzip der Nut- und Kammsteine bewährt sich und erleichtert das Versetzen.
Einzig das Zuschneiden mit der Flex erwies sich als eher mühselig. Hier wäre ein anderes Werkzeug sicherlich von Vorteil.
Durch den Korkanteil weisen die Steine eine gewisse Flexibilität auf. Dadurch sind auch längere Mauerabschnitte von bis zu etwa fünf Metern gut möglich. Ein kleiner Test zeigte zudem, dass Bretter, die direkt mit Holznägeln in den Stein genagelt wurden, erstaunlich gut halten.

Mittagessen, Baustellenführung und Sonnenuntergang
Um 12.30 Uhr erwartete uns ein Mittagessen, das mit viel Liebe von den Gastgebern zubereitet worden war. Gut gestärkt ging es anschliessend in den Gruppen weiter.

Am späteren Nachmittag führte Roman einen Wein-Betrieb, der für das Projekt Kork sammelt, durch das Gebäude. Wir durften uns der Führung anschliessen und lauschten gespannt seinen Ausführungen.
Im Wäldli neben der Scheune wurden anschliessend noch riesige Bovisten entdeckt, die kurzerhand Teil unseres Abendessens wurden.
Beim Apéro genossen wir den Sonnenuntergang vor dem Alpenpanorama. Danach sassen wir gemeinsam am Feuer, assen fein zu Abend und liessen den Tag mit angeregten Gesprächen über Lehm, das Projekt, Bauen und vieles mehr ausklingen.
Geschlafen wurde mehrheitlich direkt vor Ort – in der Scheune, im Zelt oder im Büssli.

Samstag – Seitenwechsel
Am Samstagmorgen gab es vor dem Schlössli ein feines Frühstück. Anschliessend wurden die Gruppen getauscht. So konnte jede und jeder Teilnehmende beide Seiten des Prozesses kennenlernen – von der Produktion der Steine bis zum Vermauern und Verarbeiten des Materials.

Nach einem weiteren feinen Zmittag in der Sonne wurde am Nachmittag weitergearbeitet: an den Kork-Lehmsteinen und an der zweiten Wohnung.
Zum Abschluss liessen wir den Workshop auf der lauschigen Sonnenlaube ausklingen.

Mehr als ein Baustoff
Der Workshop ermöglichte uns einen eindrücklichen Einblick in ein aussergewöhnliches und zukunftsweisendes Projekt.
Besonders spannend war, dass wir nicht nur einen einzelnen Baustoff kennenlernten, sondern den ganzen Kreislauf erleben konnten: vom gesammelten Korkzapfen über das Aufbereiten und Mischen der Materialien, das Formen und Trocknen der Steine bis hin zu deren Einbau in der Wand.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass nachhaltiges Bauen weit über die Wahl des Baumaterials hinausgeht. Planung, Finanzierung, Wiederverwendung vorhandener Ressourcen, handwerkliches Wissen und vor allem das gemeinsame Entwickeln und Arbeiten sind ebenso Teil dieses Projekts.
Gerade diese Verbindung machte den Workshop so besonders. Aus Kork, Lehm, Zeit, Wissen und viel Handarbeit entsteht nicht nur ein interessanter Baustoff, sondern Schritt für Schritt auch neuer Wohn- und Lebensraum.
Nach einem weiteren lauschigen Abend am Feuer verabschiedeten sich einige Teilnehmende bereits am Samstagabend. Eine kleine Runde blieb bis Sonntagmorgen, genoss nochmals ein gemeinsames Frühstück, den besonderen Ort und die Gesellschaft, bevor es schliesslich wieder nach Hause ging.

Ein herzliches Dankeschön an Roman und Manuel, die Hauscrew, die Kursleitenden und alle Beteiligten für diese drei Tage voller Wissen, Handwerk, Austausch und gemeinschaftlichem Arbeiten.
Wir nehmen nicht nur viele neue Erkenntnisse über Kork-Lehmsteine mit nach Hause, sondern auch die Erinnerung an einen Ort, an dem ausprobiert, gemeinsam angepackt und an einer lebenswerten Zukunft gebaut wird.

Julia Riebel, 2. OKtober 2026

 

Veranstalter

IG Lehm Fachverband Schweiz
&
Stalldrang

Ort

Kirchdorf BE