Lehm robotisch gestampft
24. Juni 2026
Stampflehm-Fertigung in Entwicklung
Vorführung Stampflehmroboter und Besichtigung Bürogebäude
Zeit: Mittwoch 24. Juni 2026, pünktlich um 14:45
Ort: ERNE AG Holzbau, Rüchligstrasse 53, 4332 Stein
Thema: Robotisches Stampfen – Handwerk trifft Automatisierung
Einladung Robotisches Stampfen
Kann ein Roboter Stampflehmwände herstellen? Bei ERNE erhalten wir einen Einblick in die Entwicklung und Anwendung eines robotischen Stampfverfahrens für vorfabrizierte Lehmelemente. Vor Ort erleben wir den Stampflehmroboter in Aktion und verfolgen, wie Schicht für Schicht eine Wand entsteht. Gemeinsam diskutieren wir die Potenziale der Automatisierung für den Lehmbau sowie die technischen, gestalterischen und materiellen Grenzen des maschinellen Stampfprozesses.
Beteiligte: Tobias Bucher führt uns durch die Werkhalle und gibt Einblicke in die Entwicklung des von ERNE entwickelten Stampflehmroboters. Anhand von Prototypen und laufenden Produktionen erfahren wir mehr über die Herausforderungen und Chancen der robotischen Fertigung von Stampflehmelementen sowie deren Einsatz in der Baupraxis.
Programm:
15:00 Stampflehmroboter und Bürogebäude
- Besichtigung der Werkhalle und des Stampflehmroboters
- Rundgang durch das Bürogebäude in Holzhybridbau mit Treppenhauskernen aus Stampflehm
- Erläuterungen in die Stampflehmtätigkeiten von Erne
Ab 16 Uhr Apéro
- Zeit für Austausch und Kennenlernen
Bericht
Im Rahmen einer Besichtigung bei ERNE erhielten wir spannende Einblicke von Tobias Bucher in die industrielle Vorfabrikation von Stampflehmelementen. Im Zentrum stand ein von ERNE entwickelter Einarm-Roboter, der Stampflehmwände herstellt.
Die Lehmmischung wird nach wie vor manuell mit einem kleinen Bagger vorbereitet, das Einbringen des Materials in die Schalung erfolgt jedoch maschinell. Besonders interessant: Der Stampfvorgang ist nicht auf die Grösse des Elements programmiert, sondern auf den erforderlichen Verdichtungsdruck. Dadurch können unterschiedlich grosse Elemente mit gleichbleibender Qualität hergestellt werden. Der Prozess wird dadurch allerdings nicht zwingend schneller, sondern vor allem deutlich weniger arbeitsintensiv.
Eine der grössten Herausforderungen liegt weniger in der Produktion als in der Logistik. Die vorfabrizierten Elemente müssen für den Transport ausreichend geschützt und möglichst erschütterungsfrei befördert werden. Gleichzeitig zeigt sich hier einer der grossen Vorteile der Vorfabrikation: Die Arbeiten erfolgen unter kontrollierten Bedingungen im Werk, und die fertigen Elemente können "just in time" auf die Baustelle geliefert werden.
Im Anschluss besichtigten wir den Bürobau des Holz-Hybridgebäudes von ERNE. Besonders überzeugend war zu sehen, dass die Erschliessungs- und Technikkerne aus den zuvor gezeigten, robotergestampften Lehmelementen erstellt wurden. Die Kerne übernehmen als zertifizierte Fluchtwege sowohl tragende als auch brandschutztechnische Funktionen. Die angrenzenden Sitzungszimmer profitieren unmittelbar vom ausgeglichenen Raumklima der Lehmwände. Auch gestalterisch überzeugen die Stampflehmoberflächen im Zusammenspiel mit Holz und der modernen Grossraumbüroladschaft. Selbst die Nassräume wurden konsequent mit sichtbaren Stampflehmwänden ausgeführt.
Zum Abschluss präsentierte Tobias Bucher Aufnahmen von der Baustelle und gab weitere Einblicke in die Planung und Umsetzung des Projekts.
Die Besichtigung zeigte wie sich traditionelles Baumaterial und moderne Robotik optimal verbinden lassen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Technologie das Fachwissen nicht ersetzt. Erst das Zusammenspiel von erfahrenen Fachpersonen und robotergestützter Fertigung ermöglicht eine wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Produktion. Die industrielle Vorfabrikation eröffnet dem Baustoff Lehm damit neue Einsatzmöglichkeiten und zeigt ein vielversprechendes Potenzial für die Zukunft.
Patrick Krecl, Juli 2026
Veranstalter
IG Lehm Fachverband Schweiz
&
Erne AG Holzbau
Ort
Stein AG