Jubiläum 25 Jahre IG Lehm

03. September 2022

25 Jahre IG Lehm – wir feiern zusammen!

 

Wir freuen uns mit euch zusammen ein Vierteljahrhundert gemeinsames Wirken im Fachverband IG Lehm zu feiern!

Das Interesse mit dem Baustoff Lehm zu Bauen und Gestalten ist, was uns zur Gemeinschaft formte und was uns stets zur Förderung und Weiterentwicklung antreibt. Wir sind stolz darauf, ein aktiver, stetig wachsender Verband zu sein. Wo stehen wir heute nach 25 Jahren Fachverband? Und in welche Richtung wird es mit der nächsten Generation weitergehen? Wir möchten zurückschauen und vorwärts blicken.

Wir laden euch ein, beim Start ins nächste Vierteljahrhundert dabei zu sein!

Datum: Samstag, 3. September 2022

Ort: in der Alten Spinnerei, Rupperswil Eventlokal, Aarestrasse 29A, 5103 Rupperswil www.alte-spinnerei.ch

Programm:

  • Willkommens-Apéro Kleiner Zmittag mit Kaffee & Kuchen
  • Gemeinsame Zeitreise: Die letzten 26 Jahre der IG Lehm in Bildern & Anekdoten
  • Die ganze Geschichte auf unserer IG Lehm-Zeittafel
  • Werkschau: Unsere Mitglieder präsentieren im Kurzformat aktuelle und zukünftige Projekte rund ums Thema Lehm
  • Gemeinsames Abendessen

 

Einladung 25 Jahre IG Lehm-Jubiläum

Bericht

 

Im Schatten der rauschenden Aare konnten wir in der Alten Spinnerei in Rupperswil mit rund 40 Lehmtreuen 25 Jahre Fachverband IG Lehm feiern.

Jubiläen kehren immer wieder, alle paar Jahre erfreuen wir uns an einem besonderen Anlass. Da blicken wir punktuell zurück, schauen was rund um den Lehm in der IG Lehm und darum herum läuft und entwickeln im gemeinsamen Austausch Ideen für Weiteres.

 

Zeitreise

Der Ort der Festivität führt unweigerlich zur Geschichte und der Entwicklung des Naturbaustoffherstellers und -händlers HAGA, die Armin Martinelli gleich zu Anfang präsentierte.

Neben der meterlangen Zeitleiste an der Wand, die die Ereignisse vom Jahr 1986 bis heute aufreiht, gab Arwed Junginger Einblick in die Interna einiger Anlässe in der Geschichte des Vereins seit 2005:
der Bau des symbolhaften Lehmwürfels im Foyer einer Bank in Zürich, die Besichtigung des eawag-Gebäudes in Dübendorf, das Erkunden der Pigmentgrube in Lausen, das Erbauen des einzigen Wellerlehmbaus in der Schweiz in Deitingen, das 12-jährige Jubiläum im Casino-Theater in Winterthur, die GV im Kino Ilanz, wie auch der Auftritt an der Minergie-Messe in Luzern 2013 oder inspirierende Studentenarbeiten der ETH anlässlich der GV 2015 dort wurden mit Fotos illustriert.


Darüber hinaus verwies Christiane Löffler in ihrem Beitrag «Lehmbau – Mehr als Bauen» auf den Umgang mit Lehm im heutigen und im zukünftigen Wirken des Lehms rund ums Bauen – neben bekannten Entwicklungen eher technischer Art insbesondere mit Blick auf Ermächtigungsprozesse, sozialen Aspekte und einer Neukonzeption der Bauwirtschaft.

Werkschau und mehr

Die folgende reichhaltige und besonders bunte Schau über das Schaffen und wirken im schweizerischen und angrenzenden Lehmbau startet diesmal mit zwei Videobeträgen aus Genf und Basel.


Rodrigo Fernandez von terrabloc berichtet von der Geschichte der Firma vom ersten Lehmstein zur industriell-rationellen Produktion in Waadt. Daneben engagieren sie sich auch bei Forschungsprojekten an der EPFL und sind in Kontakt  mit dem SIA hinsichtlich Normung von Lehmsteinen. Dabei ist immer auch die Einbindung nicht stabilisierter Lehmsteine das eigentliche Ziel.


Die Architektin Sonja Negash erläutert ihr Generationenprojekt in Titterten, das sie in Kooperation mit diversen Mitgliedern (Julien Chabanne, NM Holzbau, LEHMAG, Lehmwerk und Maurerschlumpf) und workshop+ plant  und umsetzt. Die zwei Häuser entstehen in Holzständerbauweise, mit Stroh und Lehm in Form von Stampflehm, Lehmplatten und -putz.Wir kommen also gern einmal zur Besichtigung.


Roland Kindlimann überrascht nicht nur mit gewohnter Handwerkskunst bei einer vorgesetzten Stampflehmwand, sondern lässt auch tiefer blicken. Er erzählt von einem Stampflehmboden, der trotz aller Fachkompetenz und Mühe nicht so recht gelingen wollte.


Martina Turner von Synergidées blickt zurück auf all die schönen Workshops, die ihr nachhaltiges kleines Seminarhaus in Ste-Croix in einen angenehmen Aufenthaltsort verwandelten – lebendig auch durch all die Energie, die schon beim Arbeiten mit Lehm entstanden ist.


Margit Geiger von der Ibw in Chur dagegen bereitet sich als Lehrgangsleiterin auf den Startschuss der 3-wöchigen Vollzeit-Lehmausbildung im Herbst vor, die zur »Fachperson Lehmbau« führt. Auch mit Unterstützung des Dachverbands Lehm wird in Schweizer Manier u.a. mit lokalen Experten  und IG Lehm-Mitgliedern Andrea Garbely und Andreas Matt Praxis und Theorie zum Bauen mit Lehm vermittelt.


Auch Martin Rauch als Pionier im Stampflehmbau gibt Einblick in die aktuellen Vorgänge in der neuen ERDEN-Werkhalle in Schlins. Dort stehen 75cm dicke Elemente für den Campus St. Michael in Traunstein von Anna Heringen parat. Darin ist auch der ursprünglich negativ behaftete, historisch als «Pechschotter» bezeichnete lokale Aushub im Vorarlberg bei gesamt 150t Material/ Woche ein gewichtiger Bestandteil. Weitere Bilder zeugen von Projekten eines Liftturms aus Stampflehm, immer wieder Skulpturen oder auch von einem Wohnhaus mit der Sichtseite des Lehms im Inneren und aussenseitig mit Schilf und Kalkputz. Für ihn steht nach wie vor das Arbeiten mit dem Material und seinen Stärken und Limiten im Vordergrund, das uns zur Entwicklung entsprechend neuer Werkzeuge leiten sollte. Neben der konkreten Entwicklungsarbeit für die Stampflehmdecke des HORTUS-Projekts in Allschwil mitsamt erfolgreichen Brandtests, sieht auch er die folgenreiche Wirkung all der Pioniere auch in der IG Lehm im heutigen Umbruch und verweist darauf, dass das Vertrauen in und die Sinnhaftigkeit des Materials letztlich auch Friedensarbeit bedeutet.


Wouter Homs, der sich auch für die Stabilisierung des Vorstands stark macht, schickt sich an mit architektur•werk seine neue Vision umzusetzen. Er möchte ein regionales Kompetenzzentrum zum Lehmbau und Naturbaustoffen mit breiten Partnerschaften aufgleisen. Neben den Baumaterialien spielen für ihn da auch Persönlichkeitsentwicklung und Verbundenheit mit Mensch und Natur eine Rolle für die Breitenwirkung und den materiellen und menschlichen Energiehaushalt.


Dieter Baltensperger von der Stroba ist als Händler bereits heute bereit sein Fachwissen hinauszutragen. Er begleitet stets grössere und kleinere Projekte, mehr im Detail als im Ganzen bildlich festgehalten, und schult auf diese Weise und in Kursen viele Aktive am Bau, insbesondere aus dem Holzbau. Er lobt die Arbeit der Gründungsgeneration und ist froh über all die guten Menschen im Verband, die tatsächlich Lehm verarbeiten.


Donato und Christa Gabrieli, die Fabrizio Gabrieli Gipsergeschäft vertreten sind von der Garde solider Gipser, die ihren Horizont schon vor längerem erweiterten und nun sehr gerne mit Lehm schaffen. Sie wissen was handwerklich dazu gehört und wie der eigentliche Wert ihrer Arbeit wäre. So fordern sie mehr Offenheit der Planer und sensibilisieren immer wieder Bauherrschaften für die Wirkung des Lehms.


Rainer Hettenbach gibt einen knappen Abriss der Errichtung des an sein Haus in Therwil grenzenden Ersatzbaus der Scheune, in der selbstverständlich viel Lehm steckt, auch rezyklierter. Daneben kann er mit seinen guten Kontakten zu Georg Paul und Marc Hübner auch punktuell Zahlen zu Umsatz mit Lehm und verbautem Volumen liefern, die einen Hinweis auf die Steigerung des gesamten Umfangs in der Schweiz andeuten – weit entferntt von den SFr 125’000, die vor 26 Jahren umgesetzt wurden.


Andreas Keller vertrat die Zimmerei Arbos  in Dinhard, die seit Jahrzehnten im ökologischen Holzbau tätig sind und auch Trockenbau mit Lehmplatten ausführen. Daneben achten sie trotz Kostendruck auf ergänzende nachwachsende Dämmstoffe und lokale Produkte.


Alfred Ruegg, der wie viele seiner Generation die dritte Lebensphase mit einer neuen Aufgabe verknüpfen wollte stellte zuerst ein Wohnhaus in Münchwilen von Arba Bioplan, die er Jahre lang mit prägte, vor, Dann kommt er aber auf sein eigenes kleines Projekt im Tessin. Dort konnte er sich auf seine Weise austoben, sein Eigenlager an Bauteilen plündern und auch Lehm mit Aerogel mal testen.


This Alder präsentierte die Entwicklung des Terramobils von der ersten Idee bei einem Crowdfunding für einen mobilen Werkstattwagen bis zur ersten Aktion. Vorrangig bleibt immer noch die Botschaft, dass Lehm überall ist und dass man ganz viel damit anstellen kann. An zwei dichten Projekttagen an der Berufsschule Aarau ging es denn auch ums Begreifen des Lehms und das Wecken der Neugierde darauf. Und weitere tage oder vielleicht auch Touren werden folgen.


Christoph Merk reisst nur kurz die angestrebte Kooperationen mit der ETHZ und international nach dem Erarbeiten eine Standortpapiers der Arbeitsgruppe Brandschutz an.


Gabriela Lozano Vranic ist erst kürzlich zur IG Lehm gestossen. Dabei hat ihr Projekt Baranja Alternativa im Osten Kroatiens schon ein Netzwerk zur Regionalentwicklung und als Beiwerk zum Lehmbau aufgebaut. Insbesondere gilt dies der Restaurierung der alten Schwabenhäuser. Als Vittorio Moretta 2017 erstmals in Baranja war, ging es hauptsächlich darum, den Lehm  vor Ort zu erkunden und Anstoss zur Wiederbelebung des Wissens zu geben, damit ein Imagewandel und Kompetenzzentrum entstehen kann. Schon heute scheint viel mehr möglich.


Doris Müller gibt noch einen Ausblick auf den baldigen Praxiskurs zu plastischen Lehmböden mit Ralph Künzler in Stadel. Die Inspiration des Werkstattbodens bei Amoco 2018 hat zu zahlreichen Experimenten geführt und auch zur Optimierung der Test-Mischung im Keller in Gisenhard. Korngerüst, fasern und der Austausch mit Oxara tragen dazu bei, Risse zu verhindern, bis im Kurs dann alles passen wird.


Zum Schluss gab Hansjakob Eggenberger noch sein Wissen zu CO2 weiter, das im Rahmen der Entwicklung eines Klimasteins mit Holzkohle und Lehm in der Baubiologen-Ausbildung erwuchs. Auch hier ist die Bindungsfähigkeit enorm und elementar.

 

Austausch

Für diese Fülle an Inspirationen war ein wenig Sitzfleisch nötig. Es war aber sehr erfüllend den Tatendrang und die aufrichtige Motivation der Aktiven zu spüren. So bot sich nach dieser reichhaltigen Schau ausnahmsweise rund um das Essen Gelegenheit zur Mässigung, da auch die Zeit für den Austausch wie immer zu kurz war.


Bemerkenswert ist tatsächlich, wie die Faszination für die integralen Stärken des Lehms in seiner reinen Form parallel bei den meisten Beteiligten nach wie vor und trotz aller Komplexität und Herausforderungen lebendig ist. Wir sind gespannt, was daraus im Weiteren entstehen wird und freuen uns darauf.

 

Christiane Löffler, 11. September 2022

Veranstalter

IG Lehm Fachverband Schweiz

Ort

Rupperswil AG