Pilatus – Geologische Wanderung

04. September 2021

Geologie und Lehm

 

Eine Geologische Wanderung ist die Antwort auf eine der Fragen dieser Zeit. Erkunden und zu wissen, wo Lehm zu finden ist, führt in die Natur oder auch an Siedlungsränder wie alten Lehmgruben beim Letten.

Roy Freeman wird wieder eine spannende Themenreise in Form einer Wanderung zusammenstellen, verbunden mit einer Zeitreise in die Entstehungsgeschichte des Lehms.

 

Thema: Tonmergel am Fuss des Pilatus

Wanderung Horw Spitz - Fräkmuntegg
(3 1/4 Stunde Wanderung, insgesamt 1000 m Aufstieg)
Einkehr in Fräkmünegg, anschliessend mit Seilbahn nach Kriens.

Kurzbeschrieb:

Die letzten lebendigen Drachen wurden um 1750 auf dem Pilatus gesichtet. Aber es gibt noch echte (geologische) Geheimnisse um den Pilatus zu entdecken - komme mit!


Einmalige Geologie:

Der Pilatus (ganzer Berg!) ist ca. 50 km über die Molasse und den Flysch gerutscht!
Wir studieren dieses Phänomen beim Wandern. Ausserdem ist der Pilatus eine Art "Archiv" der Klimageschichte - wir lesen dieses «Buch» welches der markante Berg uns zeigt!

 

Lehm wird dabei auch nicht zu kurz kommen. Einerseits werden wir Lehm vorfinden und andererseits wird Roy Freeman uns auch gerne unsere allgemeinen Fragen zu Lehm beantworten.

 

Einladung Geologische Wanderung Pilatus 2021

Bericht zur Geowanderung

An diesem wunderbaren Spätsommertag am Fusse des Pilatus hatten sowohl die Neulinge wie auch die geübten Geowanderer fast wieder die gleiche Ausgangslage, denn die letzten Jahre konnte diese Exkursion in das Erdwissen aus verschiedensten Gründen nicht stattfinden. Alles Wissen, das wir aufgrund der Komplexität nicht sowieso nach einer Woche nach dem letzten Ausflug vergessen hatten, war vom Erosionsmaterial anderer Ereignisse verschüttet und in Schichten irgendwo tief unten abgelagert worden. Es brauchte also wieder eine Eruption, um derartig umgewandelte Kenntnisse wieder an die Oberfläche zu befördern, mit neuen Eindrücken zu vermengen und so mit frischen Bindemitteln neue Konglomerate bilden zu können.

Wir starteten in Horw Spitz mit der Grisiger Tongrube vor Augen. Die hiesige Ziegelei förderte auch erstaunliche Zeugen der Schieferung zu Tage. Ein Prachtexemplar, das uns die Schichten des Flysch offenbart, lag vor uns: der sedimentierte Sandstein, darunter Mergel – der aus Ton, feinem Sand bzw. Schluff und Kalk besteht – und zur nächsten Sandsteinschicht hin noch Ton als Schmiermittel in variierender Schichtdicke.

Zudem sollte man die umkehrenden Prozesse in dieser Region noch berücksichtigen. Dort wo ein Kontinent mitsamt dem Pilatus oben drauf unter den anderen kroch und – sich teilweise überstülpend – verwitterte, herabfiel und sich auf der eigenen Erosionsschicht über Jahrtausende hinweg dann über die andere Scholle verfrachtete und dort dann vermeintlich sitzen blieb (nach unserem Zeithorizont). Wo ist unten? Wo ist oben?
Noch komplexer wurde es dann bei den Molassen, die uns weiter oben am Wegrand im Wald begegneten. Da stellte sich zusätzlich zum Entstehungsalter noch die Frage nach dem Alter der Steine darin: Was ist jünger und was älter nach Entstehungszeit? Und: Was sind die älteren oder jüngeren Bestandteile dieser Kontinantalablagerung?
Nach dem idyllischen Picknick im Streulicht des Waldes und der Gratwanderung wurde es sogar noch aussergewöhnlicher, was uns Geophysiker Roy Freeman erzählte. Dort gab es Sedimentsteine, die aus Material bestand, das wieder an der Erdoberfläche ausgeworfen wurden nachdem eine ganze Schicht in die Spalte zwischen Kontinenten geraten war, abbrach, verschmolz und ähnlich einem Vulkanausbruch über der Molasse landete. So konnten sich diese festen Bestandteile zum extrem harten Taveyannaz Sandstein mit grünlichen Aschespuren ablagern.

Auch verschiedenste Tonmineralien und diverse Zustände des Lehms tauchten im Laufe des Tages immer wieder auf und machten offensichtlich, dass sich der Entstehungsprozess des Lehms mit sehr vielen Zwischenstufen vollzieht, aus unterschiedlichen Vorgängen (Erosion, Verwitterung, Abtransport und Neuordnung) besteht und somit verschiedenste Lehme entstehen lässt.
Dies liess uns die eigentliche Ohnmacht der Menschheit klar werden, die sich in der Schnittstelle zwischen Geophysik und Geologie verbirgt. Denn Tonmineralien können wir Menschen nicht herstellen, sondern nur ausbeuten. Glücklicherweise ist Lehm fast überall talabwärts der Berge vorhanden.

Nahe unseres Ziels Frakmüntegg auf dem höchsten Punkt der Tour verwies Roy noch auf ein ebenso erstaunliches geologisches Fenster am Pilatus. Schichtungen, die die 110’000-jähigen Perioden zwischen den grossen Eiszeiten wie Jahresringe in verschiedener Färbung abbildeten. Und wir fragten uns, wo wir uns gerade befinden, ob diese jetzige Periode gleich enden wird wie die vorigen oder ob der Eingriff des Menschen später ablesbar sein wird.

Nach so vielen Abenteuergeschichten der Erdkruste und den unmerklich erklommenen 1000 Höhenmetern war es Zeit für eine alltägliche Abkühlung und Stärkung auf der Beizterrasse, samt  Aussicht und Fachsimpelei über die gelungen Reise in die Vergangenheit.

Christiane Löffler, 23. September 2021

Roy Freeman, Geophysiker

Geowanderung

Veranstalter

IG Lehm Fachverband Schweiz
 
Leitung:
Roy Freeman

Ort

Pilatus