2012 IG Lehm Kurs 1 – STAMPFLEHMWAND
Schon lange vor dem Eintreffen der 15 Kursteilnehmer für unsere Stampflehmwand begannen die Vorbereitungen. Es mussten einige statische Anpassungen vorgenommen werden, Schalungsmaterial organisiert werden, Essen gekauft und nicht zuletzt der Lehm besorgt werden. Diesen bezogen wir bei der Firma LanaTherm in Sennwald. Es ist eine anthrazitfarbige Werksmischung von Claytec. Für 1.3 m3 wurden 2 Big-Bags bestellt. Als wir dann die Holzschwelle, auf der die Wand stehen sollte, aufbauten, bemerkten wir, dass sie ca. 10cm länger wurde als ursprünglich geglaubt, was schlussendlich eine Dimension von 270x200x25cm ergab. So bestellte ich sicherheitshalber noch 10 Kessel dazu. Nun waren wir bereit und es konnte losgehen.
Am Morgen des 4. Juni 2012 besammelten wir uns um 09.00 Uhr am Bahnhof Degersheim. Von dort aus fuhren wir auf unsere Baustelle Spitzmüli in Hoffeld. Erstmal wurden Tee, Kaffee und Gipfeli genossen. Dann begrüssten uns die Kursleiter Ralph, Sami und Reto und es gab einiges an Theorie für den Kopf. Später teilten wir uns in 2 Gruppen auf. Wer Lust hatte durfte mit Sami und Reto die Schalung für die Wand erstellen, die anderen konnten mit Ralph verschiedenen Lehm auf seine Eignung als Stampflehm prüfen.
Die Arbeiten kamen gut voran und so war die Schalung vor dem Mittagessen um 13.00 Uhr schon so gut wie bereit. Mit neuen rohen Gerüstbrettern, 30cm breit und 5cm dick wurde die Schalung auf einer Seite waagrecht ganz hoch gezogen, auf der anderen Seite wurden die Bretter mit fortschreitender Höhe des Stampflehms seitlich eingeschoben. Mit senkrecht stehenden Doka-Trägern (Rippe) und Bindeisen durch die Wand wurde das Ganze stabilisiert. Zusätzlich bauten wir in den untersten 2 Gerüstbrettern noch Querstreben ein und die Schalung stirnseitig wurde mit Spriesswinden seitlich gestützt. Nach dem stärkenden Mittagessen gab es nochmals Theorie über die Schalungstechnik. Dann durften wir endlich die Big-Bags öffnen und es ging los! Kessel abfüllen, ins Obergeschoss schleppen, 8cm hoch in die Schalung einschütten und stampfen. Unter der fachkundigen Anleitung von Sami durfte nun jede und jeder der wollte mit dem Pressluftstampfer den Lehm verdichten.
Eine andere Gruppe fuhr mit Auto und Anhänger nach Herisau auf eine Baustelle um Aushublehm zu holen, welchen sie zuvor bei den Lehmprüfungsverfahren als geeignet für Stampflehm befunden haben.
Der erste Tag ging dem Ende zu und wir durften bei René im Ökodorf in Degersheim Pizza aus dem Lehmofen geniessen. In gemütlicher Runde wurde es Nacht.
Am Tag 2 wurde fleissig Lehm gestampft. Im Aussenbereich durfte jeder der Lust hatte ein kleineres oder grösseres Stampflehmwändlein selber schalen und mit Handstampfern den von Herisau geholten Lehm einstampfen und damit experimentieren. Im Innenraum arbeite man sich Schicht um Schicht hoch. Ab und zu
wurde der Lehm aus den Kesseln eingearbeitet. Dieser ist etwas heller und so wurde er spickelartig von links oder rechts, manchmal auch in der Mitte, eingearbeitet. Wie das Ergebnis genau wird, wissen wir dann erst am Schluss. Beim Einschütten vom Lehm wurde darauf geachtet, dass es vor allem an den Ecken keine groben Steine hat, welche später an der fertigen Wand ausbrechen könnten.
Irgendwann gegen Mittag hiess es: der Lehm reicht nicht! Wir waren bei Schalungsbrett 3 von 7 auf einer Seite angelangt und Big-Bag 1 war sozusagen leer. Wir stampften weiter, in der Hoffnung, dass unsere Befürchtungen sich nicht erfüllten.
Nach dem feinen Mittagessen öffneten wir den Dachboden um von oben stampfen zu können. Unsere Zimmermänner vor Ort hatten am Morgen die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Dies erleichterte einiges, sonst hätten wir die letzten paar Zentimeter mühsam seitlich von Hand unter die Decke und die Balken einstampfen müssen.
Um 16.00 Uhr gab‘s Baustopp von Ralph. Wir waren noch ca. 30cm von der Mauerkrone entfernt. Es gab noch etwas Theorie und danach war offizielles Kursende. Es wurde jedem freigestellt zu bleiben und die Lehmwand
fertig zu stampfen und auszuschalen. Die meisten entschieden sich, sich langsam zu verabschieden. Am Schluss waren noch Doris, Andrea, Reto, Ralph, ich und natürlich Andy da. Es wurden die letzten Kessel auf den Dachboden geschleppt und noch Armierungsnetze eingestampft, da die Stampflehmwand schlussendlich auch eine statische Funktion hat und somit die Last besser verteilt werden kann und allfällige Risse gemindert werden können. Wir sind OK Brett 7 angekommen, fertig!
Der Lehm hat gereicht und wir hatten einen halben Kessel übrig!!! Zum Glück hatten wir die zusätzlichen 10 Kessel.
Nach einer kurzen Pause wurde vorsichtig ausgeschalt. Die Spannung stieg. Wir wussten ja alle, was darunter war, aber nicht so genau wie es aussehen würde. Alles ging gut und die dunkle Lehmwand mit den hellen Spickeln kam zum Vorschein. Das Holz der Gerüstbretter hat sich wunderschön im Lehm abgezeichnet. Nun sind wir gespannt, wie sie sich noch mit dem Trocknungsprozess verändern wird, vor allem farblich! In ca. 1 Monat werden wir auf der Mauerkrone Holzbalken in Lehmmörtel einbetten, dann sollte sich die Lehmwand soweit gesetzt haben, dass wir die eingebetteten Balken mit den bestehenden verschrauben können und die Lehmwand kann die Last übernehmen. Herzlichen Dank für die tatkräftige Unterstützung an alle Kursteilnehmer für die Verwirklichung meiner lang ersehnten Stampflehmwand.
Besonderen Dank an Ralph, Sami und Reto für den gelungenen Kurs und Doris und Andrea, dass ihr bis zum Schluss geblieben seid.
Ursula Schönenberger, Bauherrin
































































































